| Selbstverteidigung ist Verantwortung |
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| Geschrieben von: Michael Schneider |
| Freitag, 04. Juni 2010 um 13:49 Uhr |
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Selbstverteidigung bedeutet Verantwortung Viele Anfänger interessiert neben den sportlichen Aspekten unseres Karate natürlich die Selbstverteidigung. Auch wenn wir für neue Kurse oder für Anfänger werben steht irgendwo, dass man sich mit Karate auch verteidigen kann. Und hier beginnt die Verantwortung der Vereine. Wenn man mit Selbstverteidigung Werbung macht, muss man auch Selbstverteidigung trainieren. Die immer wieder genannten Säulen des Karate Kihon, Kata und Kumite, befähigen niemanden zur Selbstverteidigung. Diese Säulen bilden lediglich die Kampfsportart Karate, es fehlen wichtige Elemente, um sich effektiv verteidigen zu können. Hier werden vielleicht Grundlagen gelegt, die gelegentlich auch das Ziel der Verteidigung erfüllen könnten, aber es wird nicht die Regel sein. Das perfekte Beherrschen einer Karatetechnik inklusive einer dynamischen und kraftvollen Ausführung nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie die alten Meister diese Techniken in der Anwendung verstanden hatten. Immer wieder sieht man einen Oi-Tsuki Jodan, der mit einem Age Uke geblockt wird. Immer noch sitzt man hier auf dem völlig falschen Pferd. Um verantwortungsvoll Karate als Selbstverteidigung trainieren zu können muss man mehr als nur Bahnen und zig Kata laufen und sportliches Kumite trainieren. Das ständige Trainieren unter realen Bedingungen ist unabdingbar, um in einer lebensgefährlichen Situation einen automatisierten Ablauf abrufen zu können. Meistens hapert es hier schon, dass viele die realen Angriffe nicht kennen, wie z.B. der typische Schwinger oder die Kopfnuss oder Tritte, wenn man am Boden liegt. Da diese nicht bekannt sind, kann auch kein Reiz abgerufen werden, der eine entsprechende Reaktion ablaufen lässt. Das Training unter realen Bedingungen muss zeitlich auch einen höheren Anteil haben, als die Kihon selbst. Heute ist das Training 70 Prozent ohne Partner (abgesehen vom Wettkampfkumite) und 30 Prozent Partnertraining. Früher war das genau umgekehrt und so muss auch das Training aufgebaut sein. Das Partnertraining der Karatetechniken unter realen Bedingungen muss einen höheren Zeitanteil haben, um erfolgreich zu sein, ansonsten werden die Verteidigungsdrills nicht stress resistent und werden nicht funktionieren, wenn man sie braucht. Es reicht nicht, wenn man 45 Minuten eine Technik oder Kata trainiert und für die Anwendung nur wenige Minuten. Der nächste Schritt zur effektiven Verteidigung ist die Kenntnis der menschlichen Anatomie. Man muss wissen, wie der Körper funktioniert, wie er reagiert und wo er empfindlich ist. Dies macht sich das Karate auch zu Nutze. Man schaue sich nur mal alte Bilder von Funakoshi an, wie er die Hikite Bewegung dazu nutzte. In einer Verteidigungssituation waren viele Karatetechniken da, um den Angreifer in ungünstige Postionen zu dirigieren. Zur Selbstverteidigung gehört, dass man sich mit den typischen Angriffen und Verhaltensweisen der modernen Zeit beschäftigt, dazu gehört auch psychologisches Wissen. Es gehört auch dazu, dass man seine Mitglieder verantwortungsbewusst mit dem Wissen der rechtlichen Möglichkeiten und Konsequenzen ausrüstet. Der Schlüssel zur Selbstverteidigung ist und bleibt das Bunkai der Kata, egal welchen Stils Wir müssen dazu keine andere Kampfkunst lernen, wie viele Karateka es auch machen. Unser Karate hat alles in den Kata gespeichert, dazu muss man die alten Formen des Karate studieren und man wird überrascht sein, zu was Karate alles fähig ist. Und ja Karate kann auch Bodenkampf und er gehört auch zur Verteidigung dazu. „Ein Karateka geht nicht zu Boden" ist eine utopische Behauptung. Im Übrigen gibt es auch fotografische Beweise von Funakoshi, die dies belegen.
Wir müssen uns im Klaren sein, dass Karate-Do nicht nur ein Weg sein kann. Es kann der Weg der Selbstverteidigung sein, Karate hat alles dazu, wie Wing Tsun oder Krav Maga. Es kann auch der Weg des Wettkampfes sein oder der Weg des Gesundheitssportes. Die Wege lassen sich auch miteinander kombinieren, aber wie überall sind diejenigen, die sich spezialisieren natürlich auf einem viel höheren Niveau. Andersherum, können die Spezialisierten nur für ihren Bereich sprechen. Wichtig ist, dass man seinem Schüler bewusst macht, welchen Weg man als Trainer eingeschlagen hat. Wenn man den Weg des Wettkampfes trainiert, so sollte man seinen Schülern nicht suggerieren, dass sie sich verteidigen können.
Michael Schneider, VfL Traben-Trarbach |


