| Wahres bunkai |
|
|
|
| Geschrieben von: Michael Schneider |
| Dienstag, 02. September 2008 um 11:28 Uhr |
Wahres BunkaiZehn wichtige Punkte für ein funktionierendes Bunkai in der SelbstverteidigungUm das Bunkai richtig zu verstehen muss man gewisse Kriterien beachten. Im Übrigen lassen sich viele Grundsätze aus Funakoshis Nijukun herauslesen. Als erstes muss man sich der alten Form des Bunkai verabschieden. Die Kata ist keine Verteidigung gegen vier imaginäre Gegner, dessen Angriffe alle festgelegt sind. Diese Einstellung führt dazu, dass man unzählige Kata kennen muss, um möglichst viele SV-Situationen zu beherrschen. Dies kann niemals so beabsichtigt gewesen sein. Jede Kata ist ein abgeschlossenes Kampfsystem und beinhaltet alle möglichen Verteidigungsformen gegen Angriffe, auch gegen mit Waffen usw. Hier muss man berücksichtigen, dass es heute moderne Kata-Varianten gibt. Zum Teil wurde diese durch Wettkämpfer verändert, zum anderen wurde die Kata auch zu Lebzeiten von Itosu und Matsumura manchmal in mehrere Teile unterteilt. In der Bunkai muss man aber diese in ihrer Gesamtheit sehen, wie z.B. die Heian-Reihe, die Tekki-Reihe und die Sho und Dai Kata. Auch ein Blick in alte Formen vor den 1930 hilft die Kata besser verstehen zu können. Wenn man gewisse Grundsätze beachtet, erlangt man die Fähigkeit aus den Kata lesen zu können, wie in einem Buch und es entstehen immer wieder neue Varianten der Verteidigung, die ab einem bestimmten Niveau selbst aus einem Kampf heraus entstehen können. Wichtige Grundsätze des Bunkai: 1. Die Kata ist ein abgeschlossenes Kampfsystem In einer Kata sind alle Möglichkeiten enthalten, Nahkampf, Bodenkampf, Würfe, Hebel usw. Vor der Einführung des Karate in Japan konnten Meister des Karate vielleicht drei Kata. Erst mit der Versportlichung wurden mehr Kata ins Programm aufgenommen. In einem seiner Bücher hat Funakoshi ausgesagt, dass zur Selbstverteidigung die Heian-Reihe bereits ausreichend sei. 2. Jedes Detail in der Kata hat eine Funktion Im heutigen Bunkai wird oft nur der Abschluss der Technik als Anwendung gesehen. Wichtige Elemente wie Zwischenbewegungen, Ausholbewegungen oder besondere Drehungen werden nicht richtig berücksichtigt. Selbst ein 45 Grad Winkel ist äußerst wichtig in der Anwendung.
3. Die Ausholbewegungen haben eine wichtige Funktion Oft sind bereits die Ausholbewegungen der Schlüssel zur Verteidigung. Sie beinhaltet einfache Bewegungen, die sehr leicht als Blöcke eingesetzt werden können. Der eigentliche Abschluss der Technik ist eine Konterart in Form von Atemi Waza, Nage Waza oder Kansetsu Waza.
4. Drehungen, Wendungen und Sprünge sind Aktionen mit dem Gegner Die Drehungen sind oft zu komplex, um Wendungen zu neuen Gegnern zu sein. Die Drehungen sind Aktionen mit dem Angreifer. So ist eine 270 Grad Wendung immer als Wurf zu interpretieren. Auch 90 Grad Wendungen sind Veränderungen zum Gegner in eine seitliche Position, um ihm den Angriffsdruck nehmen zu können. Auch die Sprünge (die es früher nicht gab) sind immer Aktionen mit dem Gegner.
5. Der Gegner kommt immer von vorne (wenige Ausnahmen) Die Kata ist kein Kampf gegen imaginäre vier Gegner. Sie ist ein Sammelsurium von Kampfelementen. Eine genaue Abfolge der Angriffe ist nicht gewollt, wie es oft gelehrt wird. Dies hat zur Folge, dass die Kata zu beschränkt wird in ihrer Fähigkeiten. Die Kata beschäftigt sich immer mit einem Angreifer und dieser kommt immer von vorne. Da eine natürliche Drehung zum Angreifer vorausgesetzt wird. Natürlich kann die Kata auch angewandt werden, wenn man mal nicht aufgepasst hat und man wird von hinten angegriffen.
6. Die Namen der Techniken sind verwirrend und sollten im Bunkai nicht beachtet werden Die Namen wurden erst mit der Globalisierung des Karate eingeführt. Vorher hatten sie keine Namen sondern eine Vielzahl von Funktionen. So kann jede Kihon Technik als Block, Konter, Wurf, Hebel usw. eingesetzt werden. Durch die Einführung konkreter Bezeichnungen hat man sich hier verwirren lassen und hat andere Funktionen der Technik nicht mehr trainiert
7. Das Hikite hat eine wichtige Funktion Das Hikite ist keine Bewegung um mehr Kraft in die Technik einzubringen, wie es teilweise noch gelehrt wird. Bei einem Bruchtest kann diese Form des Hikite vielleicht sinnvoll sein, in einem realen Kampf kann es aber fatal sein, die Hikite Bewegung durchzuführen. Das Hikite ist auch wieder eine Aktion mit dem Angreifer. Meistens wird nach einem Block der Angriffsarm oder der Körper des Angreifers gegriffen und mit einer ruckartigen Bewegungen an sich gerissen ( Armbewegung zur Hüfte). Dadurch wird der Angreifer für einen kurzen Moment aus dem Gleichgewicht gebracht und ist für einen Konter empfänglich. In diesem kurzen Moment wird ihm auch der Angriffsdruck genommen.
8. One Blow one Kill ist in der Kata immanent Im Karate ist es wichtig Attacken möglichst schnell zu beenden. Dafür bedarf es sehr guter und kraftvoller Techniken. Ziel ist mit möglichst wenigen Techniken den Angreifer außer Gefecht zu setzen. Im Optimalfall mit einer einzigen Techniken. Ein Ausfluss aus dem Waffentragungsverbot aus der Frühzeit des Karate. Man wollte dem bewaffneten Angreifer keine Gelegenheit bieten in einem längeren andauernden Kampf tödliche Treffer setzen zu können.
9. Der Angreifer muss kein Karateka sein Dies ist eigentlich der Normalfall. Unser Angreifer ist der Regel kein Kampfkünstler und bedient sich primitiver Angriffstechniken und primitiver Methoden der Einschüchterung, z.b. das Einnehmen einer sehr nahen Distanz Kopf an Kopf. Leider sind viele Bunkaimethoden gegen Kihontechniken des Karate ausgelegt. Diese kommen aber im Realfall gar nicht vor. Es sollte also immer im Bunkai Straßenkampf gegen Karate trainiert werden. Dies funktioniert auch, wenn man alle Punkte beachtet hat.
10. Kenntnisse über menschliche Anatomie und der Vitalpunkte sind wichtig für ein richtiges Bunkai Um einen Kampf möglichst schnell entscheiden zu können bedarf es auch theoretischen Wissens. Kenntnisse empfindlicher Vitalpunkte, die einen Angreifer sofort außer Gefecht setzen können sind nur ein kleiner Teil davon. Körperliche Reaktionen bei Treffer in bestimmten Körperregionen um bestimmte Bewegungen herauszufordern, die einen Konter vereinfachen gehören genauso dazu, wie die Funktionen der Gelenke, um dies manipulieren zu können.
|
| Zuletzt aktualisiert am Samstag, 23. Mai 2009 um 13:59 Uhr |


